In der sich nachhaltig verändernden Hochschullandschaft wird die Zukunft der Kriminologie in Deutschland immer prekärer. Für den Bereich der sozialwissenschaftlichen Kriminologie, Kriminalsoziologie oder Soziologie sozialer Probleme, der in den letzten Jahren immer schon eine Gratwanderung zwischen Randständigkeit und Abschaffung unternommen hat, hat sich die Lage weiter erheblich verschärft. Die in diesem Bereich frei gewordenen Stellen durch Emeritierungen/Pensionierungen sind nicht mehr besetzt oder umgewidmet worden. Weitere Stellenstreichungen sind zu befürchten. Auf der anderen Seite kann man heute noch zu der Feststellung kommen, dass sich die Situation der Kriminologie in den Rechtwissenschaftlichen Fakultäten rein quantitativ aufgrund der "Bindestrich-Lehrstühle" positiv darstellt.
Man kann diesen "Niedergang" einerseits der staatlichen Finanzpolitik anlasten, andererseits muss aber auch die Frage gestellt werden, wie sich das Fach "Kriminologie/Kriminalsoziologie" in den letzten Jahrzehnten präsentiert hat und ob es sinnvoll gewesen ist, sich Verwertungsinteressen oftmals weitgehend zu entziehen.
Auf der Tagung sollten diese Aspekte - insbesondere auch die "Trennlinien" im Fach Kriminologie - und die Probleme der geringen Etablierung der Kriminal-, Polizei- und Sicherheitsforschung insgesamt angesprochen werden. Speziell wurde auch der Gesichtspunkt der Zersplitterung der deutschen Kriminologie - gekennzeichnet durch die verschiedensten Organisationen - nicht außer acht gelassen. Es sollte jedoch nicht nur bei "Klagen" über die Situation und "Schuldzuweisungen" dafür in der Vergangenheit stehen geblieben werden. Ein wichtiger Gesichtspunkt der Tagung war daher der konstruktive Ausblick in die Zukunft des Faches. Er sollte Anregungen für eine zukünftige "gelebte Interdisziplinarität" liefern, um somit der "Kriminologie/Kriminalsoziologie" wieder einen bzw. einen größeren oder vielleicht überhaupt erstmaligen Einfluss auf die Kriminalpolitik und somit Sicherheitspolitik insgesamt zu eröffnen.
Wegen des zuletzt genannten Gesichtspunktes wurden daher auch die neuesten Forschungserkenntnisse und notwendige zukünftige Forschungen vorgestellt und diskutiert, sodass sich auch für die Praktiker die Möglichkeit ergab, neue Inhalte der Kriminologie kennenzulernen.
Tagungsorganisation:
Prof. Dr. Karlhans Liebl (FHS Polizei Sachsen)
FHS für Polizei Sachsen
02929 Rothenburg/OL
E-Mail: kh-liebl@web.de
Moderation: Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange
Moderation: Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange
Moderation: Dr. Bernhard Frevel
Kurzreferate von:
anschließende Podiumsdiskussion mit den Referenten
Die Beiträge sind in dem Sammelband: Liebl, K. (Hg.): Kriminologie im 21. Jahrhundert, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, dokumentiert.